Schon September!
Der zweite Monat in Bolivien verging genauso schnell wie der Erste. Ich komme kaum hinterher meine Berichte zu verfassen. Viel zu viele Eindrücke und ungewohnte Begebenheiten, die schwer in Worte zufassen sind und mir die ein oder andere Nacht rauben, die ich dann zum schreiben Nutze um mir die fesselnden Gedanken von der Seele zu schreiben.
Das bedeutet nicht dass es mir schlecht geht. Und auch wenn manches noch schwer zu fassen ist, habe ich mich schon super eingelebt und genieße das Leben hier.
Um auf unsere Arbeit in „Mosoj Yan“ und die Situation von Menschen die auf der Straße leben aufmerksam zu machen, haben wir diesen Monat die sogenannte „Noche sin Techo“ veranstaltet. Eine Nacht ohne Dach. Diese Idee stammt aus den Niederlanden und wurde hier übernommen, um die Leute in Bolivien für die Situation unserer Kinder, Mädchen und jungen Frauen zu sensibilisieren. Dafür haben wir Wochen zuvor eine Menge Werbung gemacht: in Firmen, Universitäten und Kirchen und natürlich bei Freunden und Bekannten.
Am großen Tag dann lief allerdings alles etwas ungeordnet und unerwartet ab, wie das in Bolivien so üblich ist: Eva und ich sollten um 5 im Projekt sein um die Nacht vorzubereiten, die um 8 mit einem Programm starten sollte, das bis 22 dauern sollte. Um kurz nach 5 im Projekt angekommen (also sehr pünktlich) haben wir dann erstmal gemütlich alle zusammen Kaffee getrunken, weil der Sohn einer Kollegin Geburtstag hatte. Und das obwohl wider unserer (Eva und meiner) erwarten noch rein gar nichts vorbereitet war! Wirklich nichts! Auch die Aufgabenverteilung und Besprechung für den großen Tag fand erst 3 Tage vor der eigentlichen Nacht statt, für die soviel Werbung gemacht wurde. Davon ließ ich mich allerdings nicht irritieren, ich machte einfach mit, ging zwischendrin nochmal heim um mir was wärmeres für die kommende Nacht anzuziehen und als ich um 19h zurück kam war die Straße immer noch nicht abgesperrt, auf dem Park befanden sich Unmengen von Leuten und meine Mitarbeiter waren noch damit beschäftigt die Stühle und Bänke, auf denen unsere Gäste sitzen sollten, von Staub zu befreien und sich aufgeregt mit den Künstlern: Tänzern, Sängern und sonstigen Artisten zu unterhalten. So gegen 20.30h stand dann mal der erste Stand um Kuchen zu verkaufen ohne dass die Absperrungen da waren, die die Gäste ohne Karten vom Eintritt verhindern sollten. Aber davon wurden dann gleich Bilder gemacht. So gegen 21.00-21.30h fing dann der erste Redner an und die Darbietungen endeten letztlich um 00.00-00.30h statt um 22h, als alles gerade erst begann. So läuft das in Bolivien. Und ich liebe es!
Die Nacht verlief super von Hip-Hop und Breakdance Tänzern über Rapper, Reggae Sänger und traditioneller Musik mit christlichen Texten bis zu Rednern und Theaterstücken war alles vertreten. Außerdem gab es Kuchen und Hamburger, alle schienen Glücklich und die Nacht war gut besucht.
Meine Aufgabe? Ich durfte Fotos machen! Und da unter den Gästen auch ein paar Amerikaner der Cochabamba International Church waren, die ich besuche und daher auch diese Gäste kannte, waren die Mädchen die in dem Projekt „Albergue de Restauración“ leben, das dafür zuständig ist die Mädchen, auf ihrem Weg ihr Leben in die Hand zu nehmen und zu ändern, zu begleiten, ganz heiß darauf dass ich Bilder von den wie „Justin Biber“ (ein amerikanischer Sänger) aussehenden amerikanischen Jungen mache und Verbindungsperson spiele. Das war sehr amüsant. Nach den Darbietungen hieß es dann aufräumen, Kartons ausbreiten und bis 4 Uhr Kirchen-, Kinder-, deutsche, englische und spanische Lieder zu singen, ab dann einigermaßen zu schlafen und um 6 mit Kuchen geweckt zu werden. Dementsprechend kam das „Feeling“ obdachlos zu sein nicht ganz auf. Abschließend war die Nacht dennoch ein voller Erfolg und wir haben mehr eingenommen als das Jahr zuvor!
Abgesehen davon ist auch der Rest unserer Arbeit super. Obwohl sowohl die Kids mit denen wir arbeiten als auch unsere Kollegen und wir täglich mit wirklich ergreifenden
und schwierigen Situationen konfrontiert werden, läuft alles recht fröhlich und harmonisch ab und die Kids genießen es sehr dass sie bei uns Aufmerksamkeit und Zuwendung geschenkt bekommen, die sie zu Hause nicht oder in Form von Misshandlungen bekommen, das ist auch der Grund warum einige sich sehr auffällig, laut und ungehorsam verhalten und andere sehr still sind und so gut wie gar nichts sagen aber jeder einzelne holt sich auf seine Art die benötigte Aufmerksamkeit und sie bekommen gleichzeitig Respekt und Benehmen beigebracht, so gut es geht.
Vor kurzem musste ich das erste Mal richtig streng sein, weil die Kids mir auf der Nase herum getanzt sind, hauptsächlich 3 pubertierende Mädchen, meine Güte können die anstrengend und giftig sein (Entschuldige Mama ). Andere dagegen vertrauen sich mir ihrer Liebesgeschichten an, wollen mit mir Englisch lernen, fragen mich über mich und mein Land aus oder hören gespannt meinen Geschichten zu während ich sie mit meiner Kamera Bilder dazu machen lasse.
Ich bin also nach wie vor begeistert und werde weiterhin berichten =)
Soweit für diesen Monat. Die besten Grüße aus Bolivien! Bis zum nächsten mal.
Mona
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