Der vierte Monat geht zu Ende. Meine Tätigkeiten im Projekt bestehen aus Hausaufgabenbetreuung, Unterrichten, Spielen, Pausenbetreuung, Inventur, Aufräumen, Schreibarbeit/Büro, Essen zubereiten, Einkaufen, da sein, zuhören und offen sein.
Außerdem würde ich euch gerne von einem Tag berichten, der für mich hier in Bolivien sehr gelungen erscheint. Interessant, lustig, erfreulich, schön, eben ein „Perfekter Tag“ in Bolivien.
Begonnen hat er mit einer Planänderung des üblichen Tagesablaufes an einem Donnerstag.
Statt zum üblichen „Nucleo“ in der „Villa Mejico“ wurde ich mit dem Taxi zu einem Park geschickt an welchem ich auf einen meiner Kollegen warten sollte. Es war nur leider genau der Ort vor dem ich an meinem ersten Tag in Bolivien gewarnt wurde: Der „Plaza San Sebastian“ mit der Kuppel daneben, an dem sich die meisten Klebersüchtigen Straßenkinder oder allgemein Obdachlose aufhalten. Dort habe ich dann über 15 Minuten gewartet bis mein Kollege aufgetaucht ist und ich in seinen Kleinbus einsteigen konnte. Ich hatte zwar keine Angst aber ein bisschen unwohl war mir schon. Ich war mir auch unsicher was mir lieber ist: die schwankenden „Kleveros“ – wie sie hier genannt werden – oder die pfeifenden und gaffenden Taxifahrer die an diesem Platz ihre Autos Waschen. Von diesen beiden „Spezies“ war ich nämlich umzingelt. Als ich im Auto saß wurde ich dann auch gleich nochmal gewarnt, dass ich mich hier eigentlich nicht aufhalten soll, so schnell wie möglich einsteigen soll und wenn wir die Jungs oben am Berg abholen nicht aussteigen soll. Die fünf Jungs und ein Mädchen haben wir dann auch gleich abgeholt. Sie waren unfassbar schmutzig und müssen dementsprechend gestunken haben, aber der Klebergeruch hat den Körpergeruch mit Leichtigkeit überdeckt. Einige hatten ihre Kleberflasche auch dabei, andere waren zu schwach ins Auto einzusteigen, wieder andere haben als erstes nach Geld gefragt. Von den Behausungen habe ich nur das Dach gesehen. Es bestand aus verrotteten Holzdielen und Plastikplanen. Mit den Jugendlichen sind wir dann zum Zentrum „Motivación“ gefahren, eines der drei Projekte unserer Einrichtung. Alle haben sich erst mal auf Couchen und Boden abgelegt. Insgesamt waren im Zentrum ca. 20-25 Jungs und Mädchen im Alter von 8 – 28 Jahren. Alle schienen sehr ermüdet und weggetreten, hatten angeschwollene Nasen und Oberlippen, Narben am ganzen Körper, kahle stellen am Kopf, waren schmutzig und haben gestunken. Einige konnten sich und ihre Kleidung waschen, danach war leider kein Wasser mehr da. Der Jüngste war zwischen 8 und 10. Diesen habe ich ein wenig beobachtet und selbst nach dem Haare waschen mit Shampoo befanden sich noch Tiere und andere schwarze Reste in den Haaren. Die jungen Menschen konnten sich nur 10 Minuten auf die „Capacitación“ konzentrieren – so nennen wir die Lerneinheiten, die wir während der Arbeit mit den Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen machen – es ging um eine Stelle aus der Bibel. Danach haben wir gemeinsam gebetet. Es schien einigen sehr gut zu tun, einige haben anschließend mit der Chefin von „Mosoj Yan“ nochmal einzeln gebetet und geweint. Danach wurde Essen ausgeteilt. Einige haben sich 2-3 Teller genommen und sie sich später in „Doggybags“ einpacken lassen (hier wird alles eingetütet auch Getränke). Mit manchen der Kids habe ich mich unterhalten oder Unterhaltungen zugehört. Einer von ihnen hat sich bei mir und für die Arbeit die „Mosoj Yan“ macht bedankt. Danach wurden alle wieder zu ihren Behausungen gefahren und auch wir, die Mitarbeiter, sind nach und nach heim gegangen.
Anschließend habe ich bei mir zu Hause mein Mittagessen zu mir genommen. Es gab Spaghetti mit Sojahacksoße. Danach habe ich mich ein wenig ausgeruht und bin wieder zur Arbeit gelaufen.
An diesem Donnerstag waren die „Freitagskids“ im Zentrum, die Kids, die Normalerweise freitags da sind. Doch da diesen Freitag aufgrund eines Bazars kein „Nucleo“ stattfand wurden sie für diesen Donnerstag bestellt. Sie haben sich sehr gefreut dass ich da war und wollten gar nicht mehr dass ich gehe. Es gab an diesem Tag viele Umarmungen. Das war ein schönes Gefühl.
Anschließend habe ich viele Sachen für Deutschland erledigt, was mich sehr erleichtert hat, weil ich dafür vorher nie zeit gefunden hatte. Dinge wie Quittungen schreiben lassen, bestimmte Zettel an verschiedenen Orten abholen, diese kopieren und/oder Scannen lassen (an ebenfalls verschiedenen Orten), Zettel ausdrucken und unterschreiben und ebenfalls wieder einscannen. Und anschließend alles im E-Mail Postfach hochladen um es nach Deutschland zu schicken. Dinge die eine Menge Zeit in Anspruch nehmen wenn man kein Internet, keinen Drucker und keinen Scanner hat, die aber eben gemacht werden müssen.
Auf meinem Heimweg wurde mir dann von drei Straßenmusikern ein Ständchen gesungen. Als ich ihnen allerdings ein paar Münzen dafür geben wollte, sagten sie dass sei nicht nötig, es sei für mich gewesen.
Anschließend habe ich diesen erfüllenden und perfekten Tag bei einem Essen mit Freunden ausklingen lassen.
Bei dem erwähnten Bazar am folgenden Freitag wurden alte Sachen verkauft um Geld für die Weihnachtsgeschenke der etwa 170 Kids zu sammeln. Einige der Gegenstände waren noch gut erhalten, die Elektrogeräte allerdings waren mit Ausnahme eines Monitors allesamt kaputt.
Wir haben hier in Bolivien zurzeit tolles Wetter. Tagsüber genießen wir meistens einen unglaublich blauen Himmel und es ist zwischen 27 und 30°C warm und abends ab 16-17 Uhr beginnt es zu Gewittern und zu regnen.
Darüber hinaus habe ich diesen Monat Inka Ruinen besucht. Die größte in Cochabamba. Es war wunderschön und sehr interessant. Natürlich nicht so atemberaubend wie ich mir die auf dem „Machu Pichu“ in Peru vorstelle, doch davon werde ich mich noch live überzeugen. Wir waren den ganzen Tag unterwegs von 7.30-19 Uhr. Geführt wurden wir von einem Koca-Blätter kauenden Einheimischen.
Die Wege waren abenteuerlich und bewachsen.
Unsere Pause machten wir an einem Wasserfall und geendet hat die Tour auf einer Blattform mit super Aussicht auf die Ruinen und die umliegenden Berge.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen