Montag, 16. Januar 2012

Monatsbericht Dezember

Dezember. Und von Weihnachten immer noch nichts zu spüren. Alles was in Deutschland an Weihnachten erinnert, die Dunkelheit, die Kälte, Kerzen, Plätzchen-Geruch und das Beisammensein mit der Familie, fehlen hier. Um mich ein wenig nahe zu Deutschland und meiner Familie zu fühlen habe ich mir Anfang des Monats „Spätzle“ a la Oma gemacht. Leider sind sie mir nicht so gut gelungen, doch ein Stückchen hab ich doch die Heimat gespürt.


Auf der Arbeit haben wir für die Kids mit Weihnachtsexkursionen abgeschlossen. Nachdem wir im Zentrum 170 Geschenke gepackt hatten konnte es in drei Etappen ins Schwimmbad gehen. Ca. 60 Kinder pro Etappe und 8 Betreuer, von denen nur die beiden Freiwilligen schwimmen konnten, ging es dann los nach „Tiquipaya“, Ein Dorf neben Cochabamba. Ein solches Wagnis in Deutschland unmöglich, in Bolivien obwohl auch fast keines der Kinder schwimmen konnte, über die runden gelaufen ohne Probleme. Wenn man davon absieht, dass einige der Kids nicht hören, machen was sie wollen (wie zum Beispiel ins tiefe Becken gehen ohne dass sie schwimmen können) und teilweise absolut respektlos sind (weil, vor allem manche Jungs, schon im Kindesalter zu Machos erzogen werden).
Schlussendlich hat man bei diesem Ausflug aber alle einmal lachen sehen und alle sind dann, manche mehr und manche weniger glücklich über die Geschenke, nach Hause gegangen. Und wir Betreuer waren ganz schön erschöpft.

Mit den Kollegen waren wir dann eine Woche Später in einem „Öko-Entspannungszentrum“. Wunderschön, angenehm und mit Massage, Sauna und Swimmingpool auch wirklich ein wenig entspannend.
Außerdem gab es auch die Möglichkeit zu klettern an diesem wunderschönen, fast einzigen, größten und wohl saubersten grünen Fleck in der Umgebung von Cochabamba.

Pünktlich eine Woche vor Weihnachten ist dann auch mein Päckchen aus Deutschland angekommen. Was die Weihnachtsstimmung dann doch ein wenig verbessern konnte mit vielen kleinen und großen Geschenken, Plätzchen und anderen Dingen die ich vermisst habe. Allerdings ist man auch einen Tag beschäftigt um in Bolivien ein Päckchen von der Post abzuholen. Nicht nur weil man aufgrund der Gemütlichkeit der Bolivianer so lange Wartezeiten auf sich nehmen muss, auch nicht nur weil das „System“ manchmal nicht richtig funktioniert und man einen anderen Tag wieder kommen muss obwohl man sein Päckchen schon gesehen hatte, nein eigentlich hauptsächlich weil man durch die ganze Stadt rennen muss um Dinge wie Licht-oder Wasserrechnung zu besorgen, den Reisepass zu suchen und ihn wieder woanders mehrmals zu kopieren, weil das ausgestellte Visum nicht hilft und noch andere nette Kleinigkeiten die man in Internetforen ausfüllen und ausdrucken muss um das alles dann nicht in irgendeinen sondern in einen ganz bestimmten gelben Ordner zu packen und anschließend noch mal an 5-6 Schalter und Büros muss um sich Unterschriften abzuholen und Geld zu bezahlen, denn man legt auch nochmal gut 100 Bolivianos drauf für die Geschenke für die in Deutschland nur  fürs schicken schon sehr viel Geld bezahlt wurde. Doch mit viel Geduld und Vorfreude auf die tollen Inhalte ist das auch schnell vergangen und umso schneller ging’s nachhause um es zu öffnen.

Weihnachten verlief dann anders als in Deutschland mit Familie und Freunden, nur mit Freunden, da ich mich mit meiner Gastfamilie hier nicht so gut verstehe. Mit Keksen aus Deutschland und Wein zum Essen hat es sich aber doch sehr gut angefühlt, auch wenn das Weihnachtsessen in Bolivien nicht wirklich Vegetarierfreundlich ist.

Silvester wurde ebenfalls mit Freunden sehr groß und chic gefeiert. Es gab ein großes Buffet und es wurde viel getanzt. Auf einer solch schicken und warmen Silvesterfeier war ich wahrlich noch nie.

Alles in allem war es ein sehr schöner Monat in dem ich sehr, sehr viel an meine Familie in Deutschland gedacht habe, der aber trotzdem und mit Hilfe meiner Freunde hier in Bolivien ohne Tränen und Heimweh vergangen ist.

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