Erst Oktober und ich beginne jetzt schon zu denken: nur noch 10 Monate! Die Zeit verfliegt.
Meine Nachbarin Isabelle, die zu einer sehr guten Freundin geworden ist, ist zurück nach Frankreich geflogen um ihr Studium fortzusetzen und ich habe beschlossen umzuziehen.
Dafür gibt es einige Gründe. Zum einen fehlt mir Fleischersatz, sodass ich oft sehr müde bin. Außerdem gibt es einige Kleinigkeiten die mir in meiner Familie nicht gefallen.
Und obwohl meine Gastmutter diese Dinge jetzt geändert hat, ohne dass ihr jemand sagen musste was mich stört, das einzige was man ihr gesagt hat ist dass ich überlege umzuziehen – ja man ist hier in Bolivien sehr indirekt – hat sie all das geändert was mich störte, das heißt sie wusste anscheinend was sie falsch macht und hat allerdings auch offiziell bekundet dass sie nur nett zu mir ist und ihr Verhalten ändert, weil sie nicht will dass ich ausziehe, weil sie mein Geld braucht.
Ich fühle mich „zu Hause“ dementsprechend unwohl und befinde mich auch eigentlich nur zum schlafen und zweimal die Woche zum Essen dort. Ich brauche allerdings ein zu Hause in dem ich mich wohlfühlen kann und das hab ich gefunden und werde wohl hoffentlich ab Januar dort einziehen können. Es gibt dort eine tolle Küche in der mir wahrscheinlich niemand sagt wie ich die Karotten schneiden soll, einen wunderschönen Garten und das mitten in der Stadt, das Zimmer ist größer und hat einen Schrank und das ganze ist günstiger als meine bisherige Unterkunft.
Die besagte Indirektheit steht auch im Zusammenhang, weshalb ich eine bestimmte Grammatikform im spanischen, nämlich den „Subjuntivo“, nicht verstehe. Ich erlerne diese nämlich nicht nur sehr langsam weil er in dieser Form in Deutschland nicht existiert, sondern auch, weil die Deutschen ihn nicht benutzen, da genau mit diesem Modus Dinge ausgedrückt werden die unsicher sind. Wie zum Beispiel: Ich werde dann morgen wohl vielleicht kommen. Heißt in Deutschland nur: Ich komme. Entweder du kommst oder du kommst nicht. Basta! Aber so direkt wird hier leider nichts ausgedrückt weshalb ich den Subjuntivo und auch die indirekte Umgangsform schnellstmöglich erlernen muss.
Außerdem habe ich, zusammen mit Isabelle kurz bevor sie gegangen ist, viel mit unseren internationalen Freunden gemacht und uns von diesen verabschiedet, weil sie weiter gereist sind. Unter ihnen waren Zwei die schon zwei und vier Jahre am reisen sind.
Aufgrund des Wetterumschwungs habe ich mich im Oktober auch das erste Mal erkältet und deshalb ein ganzes Wochenende erschöpft im Bett verbracht.
Das Wochenende darauf bin ich mit meinen bolivianischen Freunden aufs Land gefahren, wo wir uns den Markt angeschaut und gegrillt haben so wie es dort üblich ist. Typisch ist dort auch mit der Hand zu essen. Für mich wurde, da ich Vegetarierin bin ein Tomatensalat zubereitet. Dazu gab es Mais, Käse und Kartoffeln.
Außerdem mussten wir leider eine tolle Kollegin verabschieden. Nancy wird nämlich mit ihrem Ehemann und ihren beiden Kindern nach Peru umziehen, wo ihr Mann eine neue Stelle angeboten bekommen hat.
Im Projekt haben wir die ersten Gemüsesorten geerntet, frischer Salat aus dem Garten ist doch einfach was Feines. Außerdem haben wir viel gebacken und ich habe für meine Kollegen und Kolleginnen gekocht.

Es gab auch wieder einige Festtage: wie zum Beispiel den „Día de la Mujer“ (Tag der Frauen) oder den „Día de las Razas“ (Tag der Rassen). Einige Mädchen haben an diesen Tagen mich gemalt und viel über meine Herkunft gefragt. Es scheint als mögen mich die Kids sehr gerne. Sie fragen nach mir wenn ich nicht da bin und begrüßen mich stürmisch wenn ich da bin. Und sie sind sehr glücklich über Evas und meine Hausaufgabenhilfe und Pausenpolitik. Denn wir haben sehr viel Geduld mit ihnen und wenn sie sich nicht mehr konzentrieren können dürfen sie eine Pause machen und danach machen alle zufrieden weiter.
Mit unserem Dienstagsprojekt, den Kindern aus „Villa Armonia“ haben wir diesen Monat einen Ausflug in unsere Hauptprojektstelle im Stadtzentrum gemacht um ihnen zu zeigen, wie man das Gemüse, das wir anpflanzen erntet. Es war toll die Begeisterung der Kids zu sehen als wir uns im Taxi auf den Weg machten. So strahlend habe ich unsere Kleinen noch nie gesehen. Auch bei der Ernte haben sie begeistert mitgeholfen und am Ende der Zeit die sie mit uns haben zufrieden eine Tüte voll Gemüse mit nach Hause getragen.
Darüberhinaus hatten wir Besuch aus der Heimat. Schwester Anette vom Bistum Mainz, die selbst schon drei Jahre in Cochabamba gelebt hat, hat uns in unserem Projekt besucht um zu schauen ob alles in Ordnung ist und um den Kontakt zwischen Träger und Projekt zu fördern. Es schlossen sich ein nettes Mittagessen und ein Besuch bei unserem Verantwortlichen in Bolivien, Franz, an.
Mein Bericht diesen Monat endet natürlich mit Halloween. Einige feiern hier Halloween, das wurde natürlich auch nach Bolivien importiert, allerdings heißt hier Halloween eigentlich „Todos Santos“ und wird von den Einheimischen schon seit Generationen gefeiert. An diesem Tag steigen, laut der Einheimischen, die Geister der Toten vom Himmel herab um noch einmal ihr Lieblingsessen zu genießen, das ihre Verwandten auf der Erde vorbereiten. Es gibt ein bestimmtes Brot namens „k´tantawawa“, Früchte, Süßigkeiten und Getränke um kraft aufzutanken um irgendwann komplett auf die Erde zurück zu kehren. Außerdem werden Fotos der Verstorbenen aufgestellt, um den Verstorbenen die notwendige Ehre zu erweisen, da diese vom Himmel aus über ihre noch lebenden Verwandten wachen. In anderen Gegenden werden angeblich sogar die Knochen der Verstorbenen ausgegraben um ihnen die Gaben auf direkterer Weise zukommen zu lassen.
Ich hoffe ihr hattet einen schönen Oktober =)
Liebe Grüße aus Bolivien
Mona