Montag, 16. Januar 2012

Monatsbericht Dezember

Dezember. Und von Weihnachten immer noch nichts zu spüren. Alles was in Deutschland an Weihnachten erinnert, die Dunkelheit, die Kälte, Kerzen, Plätzchen-Geruch und das Beisammensein mit der Familie, fehlen hier. Um mich ein wenig nahe zu Deutschland und meiner Familie zu fühlen habe ich mir Anfang des Monats „Spätzle“ a la Oma gemacht. Leider sind sie mir nicht so gut gelungen, doch ein Stückchen hab ich doch die Heimat gespürt.


Auf der Arbeit haben wir für die Kids mit Weihnachtsexkursionen abgeschlossen. Nachdem wir im Zentrum 170 Geschenke gepackt hatten konnte es in drei Etappen ins Schwimmbad gehen. Ca. 60 Kinder pro Etappe und 8 Betreuer, von denen nur die beiden Freiwilligen schwimmen konnten, ging es dann los nach „Tiquipaya“, Ein Dorf neben Cochabamba. Ein solches Wagnis in Deutschland unmöglich, in Bolivien obwohl auch fast keines der Kinder schwimmen konnte, über die runden gelaufen ohne Probleme. Wenn man davon absieht, dass einige der Kids nicht hören, machen was sie wollen (wie zum Beispiel ins tiefe Becken gehen ohne dass sie schwimmen können) und teilweise absolut respektlos sind (weil, vor allem manche Jungs, schon im Kindesalter zu Machos erzogen werden).
Schlussendlich hat man bei diesem Ausflug aber alle einmal lachen sehen und alle sind dann, manche mehr und manche weniger glücklich über die Geschenke, nach Hause gegangen. Und wir Betreuer waren ganz schön erschöpft.

Mit den Kollegen waren wir dann eine Woche Später in einem „Öko-Entspannungszentrum“. Wunderschön, angenehm und mit Massage, Sauna und Swimmingpool auch wirklich ein wenig entspannend.
Außerdem gab es auch die Möglichkeit zu klettern an diesem wunderschönen, fast einzigen, größten und wohl saubersten grünen Fleck in der Umgebung von Cochabamba.

Pünktlich eine Woche vor Weihnachten ist dann auch mein Päckchen aus Deutschland angekommen. Was die Weihnachtsstimmung dann doch ein wenig verbessern konnte mit vielen kleinen und großen Geschenken, Plätzchen und anderen Dingen die ich vermisst habe. Allerdings ist man auch einen Tag beschäftigt um in Bolivien ein Päckchen von der Post abzuholen. Nicht nur weil man aufgrund der Gemütlichkeit der Bolivianer so lange Wartezeiten auf sich nehmen muss, auch nicht nur weil das „System“ manchmal nicht richtig funktioniert und man einen anderen Tag wieder kommen muss obwohl man sein Päckchen schon gesehen hatte, nein eigentlich hauptsächlich weil man durch die ganze Stadt rennen muss um Dinge wie Licht-oder Wasserrechnung zu besorgen, den Reisepass zu suchen und ihn wieder woanders mehrmals zu kopieren, weil das ausgestellte Visum nicht hilft und noch andere nette Kleinigkeiten die man in Internetforen ausfüllen und ausdrucken muss um das alles dann nicht in irgendeinen sondern in einen ganz bestimmten gelben Ordner zu packen und anschließend noch mal an 5-6 Schalter und Büros muss um sich Unterschriften abzuholen und Geld zu bezahlen, denn man legt auch nochmal gut 100 Bolivianos drauf für die Geschenke für die in Deutschland nur  fürs schicken schon sehr viel Geld bezahlt wurde. Doch mit viel Geduld und Vorfreude auf die tollen Inhalte ist das auch schnell vergangen und umso schneller ging’s nachhause um es zu öffnen.

Weihnachten verlief dann anders als in Deutschland mit Familie und Freunden, nur mit Freunden, da ich mich mit meiner Gastfamilie hier nicht so gut verstehe. Mit Keksen aus Deutschland und Wein zum Essen hat es sich aber doch sehr gut angefühlt, auch wenn das Weihnachtsessen in Bolivien nicht wirklich Vegetarierfreundlich ist.

Silvester wurde ebenfalls mit Freunden sehr groß und chic gefeiert. Es gab ein großes Buffet und es wurde viel getanzt. Auf einer solch schicken und warmen Silvesterfeier war ich wahrlich noch nie.

Alles in allem war es ein sehr schöner Monat in dem ich sehr, sehr viel an meine Familie in Deutschland gedacht habe, der aber trotzdem und mit Hilfe meiner Freunde hier in Bolivien ohne Tränen und Heimweh vergangen ist.

Sonntag, 1. Januar 2012

Monatsbericht November


Der vierte Monat geht zu Ende. Meine Tätigkeiten im Projekt bestehen aus Hausaufgabenbetreuung, Unterrichten, Spielen, Pausenbetreuung, Inventur, Aufräumen, Schreibarbeit/Büro, Essen zubereiten, Einkaufen, da sein, zuhören und offen sein.
Mitte des Monats wurde ein Benefiztee für Teddy veranstaltet. Teddy ist der Schwager meines Gastbruders. Er ist 23 Jahre jung und hat Krebs. Ab diesen Monat braucht er 4 weiter Sitzungen Chemotherapie. Jede einzelne kostet um die 3000 $ und dafür haben seine Freunde und Verwandten den besagten Tee organisiert. Der Benefiztee beinhaltete eine Lotterie, bei welcher ich 11,5kg Nudeln gewonnen habe und Eva eine Massage. Außerdem gab es Versteigerungen und Kaffee und Kuchen.
Außerdem würde ich euch gerne von einem Tag berichten, der für mich hier in Bolivien sehr gelungen erscheint. Interessant, lustig, erfreulich, schön, eben ein „Perfekter Tag“ in Bolivien.
Begonnen hat er mit einer Planänderung des üblichen Tagesablaufes an einem Donnerstag.
Statt zum üblichen „Nucleo“ in der „Villa Mejico“ wurde ich mit dem Taxi zu einem Park geschickt an welchem ich auf einen meiner Kollegen warten sollte. Es war nur leider genau der Ort vor dem ich an meinem ersten Tag in Bolivien gewarnt wurde: Der „Plaza San Sebastian“ mit der Kuppel daneben, an dem sich die meisten Klebersüchtigen Straßenkinder oder allgemein Obdachlose aufhalten. Dort habe ich dann über 15 Minuten gewartet bis mein Kollege aufgetaucht ist und ich in seinen Kleinbus einsteigen konnte. Ich hatte zwar keine Angst aber ein bisschen unwohl war mir schon. Ich war mir auch unsicher was mir lieber ist: die schwankenden „Kleveros“ – wie sie hier genannt werden – oder die pfeifenden und gaffenden Taxifahrer die an diesem Platz ihre Autos Waschen. Von diesen beiden „Spezies“ war ich nämlich umzingelt. Als ich im Auto saß wurde ich dann auch gleich nochmal gewarnt, dass ich mich hier eigentlich nicht aufhalten soll, so schnell wie möglich einsteigen soll und wenn wir die Jungs oben am Berg abholen nicht aussteigen soll. Die fünf Jungs und ein Mädchen haben wir dann auch gleich abgeholt. Sie waren unfassbar schmutzig und müssen dementsprechend gestunken haben, aber der Klebergeruch hat den Körpergeruch mit Leichtigkeit überdeckt. Einige hatten ihre Kleberflasche auch dabei, andere waren zu schwach ins Auto einzusteigen, wieder andere haben als erstes nach Geld gefragt. Von den Behausungen habe ich nur das Dach gesehen. Es bestand aus verrotteten Holzdielen und Plastikplanen. Mit den Jugendlichen sind wir dann zum Zentrum „Motivación“ gefahren, eines der drei Projekte unserer Einrichtung. Alle haben sich erst mal auf Couchen und Boden abgelegt. Insgesamt waren im Zentrum ca. 20-25 Jungs und Mädchen im Alter von 8 – 28 Jahren. Alle schienen sehr ermüdet und weggetreten, hatten angeschwollene Nasen und Oberlippen, Narben am ganzen Körper, kahle stellen am Kopf, waren schmutzig und haben gestunken. Einige konnten sich und ihre Kleidung waschen, danach war leider kein Wasser mehr da. Der Jüngste war zwischen 8 und 10. Diesen habe ich ein wenig beobachtet und selbst nach dem Haare waschen mit Shampoo befanden sich noch Tiere und andere schwarze Reste in den Haaren. Die jungen Menschen konnten sich nur 10 Minuten auf die „Capacitación“ konzentrieren – so nennen wir die Lerneinheiten, die wir während der Arbeit mit den Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen machen – es ging um eine Stelle aus der Bibel. Danach haben wir gemeinsam gebetet. Es schien einigen sehr gut zu tun, einige haben anschließend mit der Chefin  von „Mosoj Yan“ nochmal einzeln gebetet und geweint. Danach wurde Essen ausgeteilt. Einige haben sich 2-3 Teller genommen und sie sich später in „Doggybags“ einpacken lassen (hier wird alles eingetütet auch Getränke). Mit manchen der Kids habe ich mich unterhalten oder Unterhaltungen zugehört. Einer von ihnen hat sich bei mir  und für die Arbeit die „Mosoj Yan“ macht bedankt. Danach wurden alle wieder zu ihren Behausungen gefahren und auch wir, die Mitarbeiter, sind nach und nach heim gegangen.

Anschließend habe ich bei mir zu Hause mein Mittagessen zu mir genommen. Es gab Spaghetti mit Sojahacksoße. Danach habe ich mich ein wenig ausgeruht und bin wieder zur Arbeit gelaufen.
An diesem Donnerstag waren die „Freitagskids“ im Zentrum, die Kids, die Normalerweise freitags da sind. Doch da diesen Freitag aufgrund eines Bazars kein „Nucleo“ stattfand wurden sie für diesen Donnerstag bestellt. Sie haben sich sehr gefreut dass ich da war und wollten gar nicht mehr dass ich gehe. Es gab an diesem Tag viele Umarmungen. Das war ein schönes Gefühl.
Anschließend habe ich viele Sachen für Deutschland erledigt, was mich sehr erleichtert hat, weil ich dafür vorher nie zeit gefunden hatte. Dinge wie Quittungen schreiben lassen, bestimmte Zettel an verschiedenen Orten abholen, diese kopieren und/oder Scannen lassen (an ebenfalls verschiedenen Orten), Zettel ausdrucken und unterschreiben und ebenfalls wieder einscannen. Und anschließend alles im E-Mail Postfach hochladen um es nach Deutschland zu schicken. Dinge die eine Menge Zeit in Anspruch nehmen wenn man kein Internet, keinen Drucker und keinen Scanner hat, die aber eben gemacht werden müssen.
Auf meinem Heimweg wurde mir dann von drei Straßenmusikern ein Ständchen gesungen. Als ich ihnen allerdings ein paar Münzen dafür geben wollte, sagten sie dass sei nicht nötig, es sei für mich gewesen.
Anschließend habe ich diesen erfüllenden und perfekten Tag bei einem Essen mit Freunden ausklingen lassen.

Bei dem erwähnten Bazar am folgenden Freitag wurden alte Sachen verkauft um Geld für die Weihnachtsgeschenke der etwa 170 Kids zu sammeln. Einige der Gegenstände waren noch gut erhalten, die Elektrogeräte allerdings waren mit Ausnahme eines Monitors allesamt kaputt.
Wir haben hier in Bolivien zurzeit tolles Wetter. Tagsüber genießen wir meistens einen unglaublich blauen Himmel und es ist zwischen 27 und 30°C warm und abends ab 16-17 Uhr beginnt es zu Gewittern und zu regnen.



Darüber hinaus habe ich diesen Monat Inka Ruinen besucht. Die größte in Cochabamba. Es war wunderschön und sehr interessant. Natürlich nicht so atemberaubend wie ich mir die auf dem „Machu Pichu“ in Peru vorstelle, doch davon werde ich mich noch live überzeugen. Wir waren den ganzen Tag unterwegs von 7.30-19 Uhr. Geführt wurden wir von einem Koca-Blätter kauenden Einheimischen.

Die Wege waren abenteuerlich und bewachsen.










Unsere Pause machten wir an einem Wasserfall und geendet hat die Tour auf einer Blattform mit super Aussicht auf die Ruinen und die umliegenden Berge.





 

Monatsbericht Oktober


 Erst Oktober und ich beginne jetzt schon zu denken: nur noch 10 Monate! Die Zeit verfliegt.
Meine Nachbarin Isabelle, die zu einer sehr guten Freundin geworden ist, ist zurück nach Frankreich geflogen um ihr Studium fortzusetzen und ich habe beschlossen umzuziehen.
Dafür gibt es einige Gründe. Zum einen fehlt mir Fleischersatz, sodass ich oft sehr müde bin. Außerdem gibt es einige Kleinigkeiten die mir in meiner Familie nicht gefallen.
Und obwohl meine Gastmutter diese Dinge jetzt geändert hat, ohne dass ihr jemand sagen musste was mich stört, das einzige was man ihr gesagt hat ist dass ich überlege umzuziehen – ja man ist hier in Bolivien sehr indirekt – hat sie all das geändert was mich störte, das heißt sie wusste anscheinend was sie falsch macht und hat allerdings auch offiziell bekundet dass sie nur nett zu mir ist und ihr Verhalten ändert, weil sie nicht will dass ich ausziehe, weil sie mein Geld braucht.
Ich fühle mich „zu Hause“ dementsprechend unwohl und befinde mich auch eigentlich nur zum schlafen und zweimal die Woche zum Essen dort. Ich brauche allerdings ein zu Hause in dem ich mich wohlfühlen kann und das hab ich gefunden und werde wohl hoffentlich ab Januar dort einziehen können. Es gibt dort eine tolle Küche in der mir wahrscheinlich niemand sagt wie ich die Karotten schneiden soll, einen wunderschönen Garten und das mitten in der Stadt, das Zimmer ist größer und hat einen Schrank und das ganze ist günstiger als meine bisherige Unterkunft.
Die besagte Indirektheit steht auch im Zusammenhang, weshalb ich eine bestimmte Grammatikform im spanischen, nämlich den „Subjuntivo“, nicht verstehe. Ich erlerne diese nämlich nicht nur sehr langsam weil er in dieser Form in Deutschland nicht existiert, sondern auch, weil die Deutschen ihn nicht benutzen, da genau mit diesem Modus Dinge ausgedrückt werden die unsicher sind. Wie zum Beispiel: Ich werde dann morgen wohl vielleicht kommen. Heißt in Deutschland nur: Ich komme. Entweder du kommst oder du kommst nicht. Basta! Aber so direkt wird hier leider nichts ausgedrückt weshalb ich den Subjuntivo und auch die indirekte Umgangsform schnellstmöglich erlernen muss.
Außerdem habe ich, zusammen mit Isabelle kurz bevor sie gegangen ist, viel mit unseren internationalen Freunden gemacht und uns von diesen verabschiedet, weil sie weiter gereist sind. Unter ihnen waren Zwei die schon zwei und vier Jahre am reisen sind.
Aufgrund des Wetterumschwungs habe ich mich im Oktober auch das erste Mal erkältet und deshalb ein ganzes Wochenende erschöpft im Bett verbracht.
Das Wochenende darauf bin ich mit meinen bolivianischen Freunden aufs Land gefahren, wo wir uns den Markt angeschaut und gegrillt haben so wie es dort üblich ist. Typisch ist dort auch mit der Hand zu essen. Für mich wurde, da ich Vegetarierin bin ein Tomatensalat zubereitet. Dazu gab es Mais, Käse und Kartoffeln.
Außerdem mussten wir leider eine tolle Kollegin verabschieden. Nancy wird nämlich mit ihrem Ehemann und ihren beiden Kindern nach Peru umziehen, wo ihr Mann eine neue Stelle angeboten bekommen hat.
Im Projekt haben wir die ersten Gemüsesorten geerntet, frischer Salat aus dem Garten ist doch einfach was Feines. Außerdem haben wir viel gebacken und ich habe für meine Kollegen und Kolleginnen gekocht.
Es gab auch wieder einige Festtage: wie zum Beispiel den „Día de la Mujer“ (Tag der Frauen) oder den „Día de las Razas“ (Tag der Rassen). Einige Mädchen haben an diesen Tagen mich gemalt und viel über meine Herkunft gefragt. Es scheint als mögen mich die Kids sehr gerne. Sie fragen nach mir wenn ich nicht da bin und begrüßen mich stürmisch wenn ich da bin. Und sie sind sehr glücklich über Evas und meine Hausaufgabenhilfe und Pausenpolitik. Denn wir haben sehr viel Geduld mit ihnen und wenn sie sich nicht mehr konzentrieren können dürfen sie eine Pause machen und danach machen alle zufrieden weiter.
Mit unserem Dienstagsprojekt, den Kindern aus „Villa Armonia“ haben wir diesen Monat einen Ausflug in unsere Hauptprojektstelle im Stadtzentrum gemacht um ihnen zu zeigen, wie man das Gemüse, das wir anpflanzen erntet. Es war toll die Begeisterung der Kids zu sehen als wir uns im Taxi auf den Weg machten. So strahlend habe ich unsere Kleinen noch nie gesehen. Auch bei der Ernte haben sie begeistert mitgeholfen und am Ende der Zeit die sie mit uns haben zufrieden eine Tüte voll Gemüse mit nach Hause getragen.
Darüberhinaus hatten wir Besuch aus der Heimat. Schwester Anette vom Bistum Mainz, die selbst schon drei Jahre in Cochabamba gelebt hat, hat uns in unserem Projekt besucht um zu schauen ob alles in Ordnung ist und um den Kontakt zwischen Träger und Projekt zu fördern. Es schlossen sich ein nettes Mittagessen und ein Besuch bei unserem Verantwortlichen in Bolivien, Franz, an.
Mein Bericht diesen Monat endet natürlich mit Halloween. Einige feiern hier Halloween, das wurde natürlich auch nach Bolivien importiert, allerdings heißt hier Halloween eigentlich „Todos Santos“ und wird von den Einheimischen schon seit Generationen gefeiert. An diesem Tag steigen, laut der Einheimischen, die Geister der Toten vom Himmel herab um noch einmal ihr Lieblingsessen zu genießen, das ihre Verwandten auf der Erde vorbereiten. Es gibt ein bestimmtes Brot namens „k´tantawawa“, Früchte, Süßigkeiten und Getränke um kraft aufzutanken um irgendwann komplett auf die Erde zurück zu kehren. Außerdem werden Fotos der Verstorbenen aufgestellt, um den Verstorbenen die notwendige Ehre zu erweisen, da diese vom Himmel aus über ihre noch lebenden Verwandten wachen. In anderen Gegenden werden angeblich sogar die Knochen der Verstorbenen ausgegraben um ihnen die Gaben auf direkterer Weise zukommen zu lassen.
Ich hoffe ihr hattet einen schönen Oktober =)
Liebe Grüße aus Bolivien
Mona

Monatsbericht September


Schon September!
Der zweite Monat in Bolivien verging genauso schnell wie der Erste. Ich komme kaum hinterher meine Berichte zu verfassen. Viel zu viele Eindrücke und ungewohnte Begebenheiten, die schwer in Worte zufassen sind und mir die ein oder andere Nacht rauben, die ich dann zum schreiben Nutze um mir die fesselnden Gedanken von der Seele zu schreiben.
Das bedeutet nicht dass es mir schlecht geht. Und auch wenn manches noch schwer zu fassen ist, habe ich mich schon super eingelebt und genieße das Leben hier.
Um auf unsere Arbeit in „Mosoj Yan“ und die Situation von Menschen die auf der Straße leben aufmerksam zu machen, haben wir diesen Monat die sogenannte „Noche sin Techo“ veranstaltet. Eine Nacht ohne Dach. Diese Idee stammt aus den Niederlanden und wurde hier übernommen, um die Leute in Bolivien für die Situation unserer Kinder, Mädchen und jungen Frauen zu sensibilisieren. Dafür haben wir Wochen zuvor eine Menge Werbung gemacht: in Firmen, Universitäten und Kirchen und natürlich bei Freunden und Bekannten.
Am großen Tag dann lief allerdings alles etwas ungeordnet und unerwartet ab, wie das in Bolivien so üblich ist: Eva und ich sollten um 5 im Projekt sein um die Nacht vorzubereiten, die um 8 mit einem Programm starten sollte, das bis 22 dauern sollte. Um kurz nach 5 im Projekt angekommen (also sehr pünktlich) haben wir dann erstmal gemütlich alle zusammen Kaffee getrunken, weil der Sohn einer Kollegin Geburtstag hatte. Und das obwohl wider unserer (Eva und meiner) erwarten noch rein gar nichts vorbereitet war! Wirklich nichts! Auch die Aufgabenverteilung und Besprechung für den großen Tag fand erst 3 Tage vor der eigentlichen Nacht statt, für die soviel Werbung gemacht wurde. Davon ließ ich mich allerdings nicht irritieren, ich machte einfach mit, ging zwischendrin nochmal heim um mir was wärmeres für die kommende Nacht anzuziehen und als ich um 19h zurück kam war die Straße immer noch nicht abgesperrt, auf dem Park befanden sich Unmengen von Leuten und meine Mitarbeiter waren noch damit beschäftigt die Stühle und Bänke, auf denen unsere Gäste sitzen sollten, von Staub zu befreien und sich aufgeregt mit den Künstlern: Tänzern, Sängern und sonstigen Artisten zu unterhalten. So gegen 20.30h stand dann mal der erste Stand um Kuchen zu verkaufen ohne dass die Absperrungen da waren, die die Gäste ohne Karten vom Eintritt verhindern sollten. Aber davon wurden dann gleich Bilder gemacht. So gegen 21.00-21.30h fing dann der erste Redner an und die Darbietungen endeten letztlich um 00.00-00.30h statt um 22h, als alles gerade erst begann. So läuft das in Bolivien. Und ich liebe es!
Die Nacht verlief super von Hip-Hop und Breakdance Tänzern über Rapper, Reggae Sänger und traditioneller Musik mit christlichen Texten bis zu Rednern und Theaterstücken war alles vertreten. Außerdem gab es Kuchen und Hamburger, alle schienen Glücklich und die Nacht war gut besucht.
Meine Aufgabe? Ich durfte Fotos machen! Und da unter den Gästen auch ein paar Amerikaner der Cochabamba International Church waren, die ich besuche und daher auch diese Gäste kannte, waren die Mädchen die in dem Projekt „Albergue de Restauración“ leben, das dafür zuständig ist die Mädchen, auf ihrem Weg ihr Leben in die Hand zu nehmen und zu ändern, zu begleiten, ganz heiß darauf dass ich Bilder von den wie „Justin Biber“ (ein amerikanischer Sänger) aussehenden amerikanischen Jungen mache und Verbindungsperson spiele. Das war sehr amüsant. Nach den Darbietungen hieß es dann aufräumen, Kartons ausbreiten und bis 4 Uhr Kirchen-, Kinder-, deutsche, englische und spanische Lieder zu singen, ab dann einigermaßen zu schlafen und um 6 mit Kuchen geweckt zu werden. Dementsprechend kam das „Feeling“ obdachlos zu sein nicht ganz auf. Abschließend war die Nacht dennoch ein voller Erfolg und wir haben mehr eingenommen als das Jahr zuvor!
Abgesehen davon ist auch der Rest unserer Arbeit super. Obwohl sowohl die Kids mit denen wir arbeiten als auch unsere Kollegen und wir täglich mit wirklich ergreifenden und schwierigen Situationen konfrontiert werden, läuft alles recht fröhlich und harmonisch ab und die Kids genießen es sehr dass sie bei uns Aufmerksamkeit und Zuwendung geschenkt bekommen, die sie zu Hause nicht oder in Form von Misshandlungen bekommen, das ist auch der Grund warum einige sich sehr auffällig, laut und ungehorsam verhalten und andere sehr still sind und so gut wie gar nichts sagen aber jeder einzelne holt sich auf seine Art die benötigte Aufmerksamkeit und sie bekommen gleichzeitig Respekt und Benehmen beigebracht, so gut es geht.
Einfach ist das nicht und manchmal auch sehr stressvoll aber bei manchen Kindern sieht man richtige Erfolge und Fortschritte und sie sind sehr interessiert und intelligent. Ich finde es toll dabei helfen zu können sie zu fördern und ihnen die Möglichkeit zu eröffnen etwas aus ihrem Leben zu machen indem wir ihnen andere Umgangsformen und andere lebensnotwendige Dinge beibringen. Außerdem pflanzen wir gerade in jedem Projekt Gemüse an. Besser könnte es für mich gar nicht laufen. Auch die Kinder haben sich scheinbar schon an mich gewöhnt, denn wenn ich nicht da bin erzählen mir die Kollegen, dass sie nach mir fragen würden. Das ist ein schönes Gefühl.
 
Vor kurzem musste ich das erste Mal richtig streng sein, weil die Kids mir auf der Nase herum getanzt sind, hauptsächlich 3 pubertierende Mädchen, meine Güte können die anstrengend und giftig sein (Entschuldige Mama ). Andere dagegen vertrauen sich mir ihrer Liebesgeschichten an, wollen mit mir Englisch lernen, fragen mich über mich und mein Land aus oder hören gespannt meinen Geschichten zu während ich sie mit meiner Kamera Bilder dazu machen lasse.
Natürlich wurden auch diesen Monat keine Feste und „Bloqueos“ ausgelassen.
Ich bin also nach wie vor begeistert und werde weiterhin berichten =)
Soweit für diesen Monat. Die besten Grüße aus Bolivien! Bis zum nächsten mal.
Mona

Freitag, 30. September 2011

Die ersten Eindrücke

Flug und Ankunft
Während der Flüge habe ich glücklicherweise die meiste Zeit geschlafen und hatte – wider erwarten – keine Probleme mit meinen fehlenden Weisheitszähnen, welche mir 2 Wochen vor Abflug gezogen wurden. Mit acht Stunden Aufenthalt im Flughafen Buenos Aires war ich insgesamt 30 Stunden unterwegs.
Angekommen in Cochabamba, Bolivien begrüßten uns (die Freiwilligen 2011) insgesamt sieben Leute, darunter Franz unser Mentor und Ansprechpartner für ALLES, die ehemaligen Freiwilligen und zwei Bolivianische Freunde die auch ganz schnell zu den meinen wurden.
Ankunftszeit in Bolivien: etwa 20 Uhr. Nachdem wir uns etwas ausgeruht hatten wurden wir gleich in einen der vielen bolivianischen Bräuche eingeführt, denn unsere Ankunft befand sich zu einem der ersten Freitage im Monat und an diesen Freitagen wird Cocha Mama (Mutter Erde) geehrt, indem einige Dinge verbrannt werden und von allem Getrunkenen ein Teil auf den Boden geschüttet wird.
Am nächsten morgen gingen wir halbverhungert Frühstücken in einem Franchise Restaurant namens Globus, um unsere Mägen nicht gleich allzu sehr zu strapazieren. Unser Mittagessen bekamen wir nur wenige Zeit später im Haus von Franz, für mich extra Vegetarisch. Anschließend machten wir einen kurzen Ausflug zum Christo und zwar zu Fuß. Nach gefühlten eine millionen Stufen und sehr dünner Luft oben angekommen fühlt man sich richtig gut. Wir hatten außerdem Glück mit dem Wetter und dementsprechend eine tolle Aussicht. Zum Abendessen ging’s, nach einer Runde erholen in der Residenz, ins Casa Blanca, wo man sehr gutes (auch europäisches) Essen bekommen kann. Das war der erste Tag in Bolivien.

Menschen, Familie und Freunde
Ich wohne in einer Familie bestehend aus Mutter Zaida und ihrer Tochter Claudia (und natürlich einigen mehr, die beiden wohnen allerdings zu zweit in meinem Gasthaus). Beide kümmern sich super, sind sehr besorgt und wenn es mir schlecht geht kümmern sie sich sehr um mein Wohlbefinden. Seit beide verstanden haben was es heißt Vegetarier zu sein und dass ich nicht Garnichts esse kochen sie sogar (fast) täglich vegetarisch für mich, das heißt immer wenn ich zu Hause esse. Die ganze Familie ist sehr gläubig, jedoch besuchen alle unterschiedliche Kirchen. Das ist der Grund weshalb ich schon einige kennenlernen durfte.
Ich verstehe mich super mit Eva der weiteren SDFV – Freiwilligen. Zurzeit arbeiten wir zusammen im Projekt „Trabajadores“ und machen auch sonst gelegentlich etwas zusammen. Isabelle, meine Nachbarin mit Haitianischen Wurzeln, die aber in Frankreich lebt, ist ebenfalls super. Leider verlässt sie Bolivien schon Anfang Oktober.
Des Weiteren durfte ich dank meines Sprachlehrers eine WG mit 4 Bewohnern kennenlernen: spanisch sprechend, Vegetarier, Mülltrennend, multinational, super und alle arbeiten in einem Kulturzentrum mit ebenfalls tollen Projekten.
Außerdem lernt man auch viele Reisende kennen: Australier, Schotten, Amerikaner, Briten, Holländer, Inder und Koreaner und kommt so zum Beispiel zu dem Genuss Koreanisch und indisch bekocht zu werden. Natürlich sind auch einige Bolivianer unter meinen neuen Freunden, die ich Dank der tollen Unterstützung der ehemaligen Freiwilligen kennenlernen durfte.
Die Bolivianer sind im Allgemeinen sehr nett und bemüht. Es gibt aber auch einige verschlossene, abweisende und uninteressierte. Außerdem habe ich schon drei Rassismus-Delikte erlebt. Einmal wurde ich von einem älteren Herrn angespuckt, ein anderes mal wollte ein Busfahrer nicht für mich halten und das dritte mal wurde ich in einer „Tienda“ (Tante Emma Laden, die es an jeder Ecke gibt) angesprochen ob ich Nordamerikanerin oder Europäerin sei, als ich antwortete dass ich Deutsche sei, hieß es: „ Die deutschen sind schrecklich und genauso schlimm wie die Nordamerikaner“.


Befinden
Das macht mir allerdings nichts aus. Ich fühle mich pudel wohl, habe alles was ich brauche, fühle mich verstanden, lerne schnell, bin positiv überrascht von den hierlebenden Vegetariern und etwas umweltbewussteren Menschen und dass es auch einige vegetarische Restaurants und Biolebensmittel Läden gibt. Ich hatte nur 2-mal Probleme mit dem essen und die Zahnärzte sind nicht die Besten.
Nichts desto trotz fühle ich mich von Tag zu Tag besser obwohl es mir hier niemals schlecht ging. Ich liebe es durch die Straßen zu laufen und das Leben hier zu beobachten und mit leben zu dürfen.

Arbeit
Die Arbeit ist super. Wir haben von Montag bis Donnerstag unterschiedliche „Nucleos“, d.h. wir besuchen bestimmte Orte, hauptsächlich in Brennpunkten Cochabambas, und helfen den Kindern bei ihren Hausaufgaben, sprechen über Themen wie Parasiten und wie man sich davor schützen kann, bringen ihnen bei wie man sich richtig die Hände wäscht und kürzen ihre Fingernägel oder lernen was man alles braucht um einen Gemüsegarten anzulegen und wie bestimmte Gemüsesorten heißen und wie sie aussehen. Außerdem singen und beten wir mit ihnen und bringen auch mal was zu essen oder eine kleine Erfrischung mit.
Freitags sind wir im „Hauptzentrum“ bereiten Frühstück vor, für die Kids die kommen, helfen auch ihnen bei den Hausaufgaben und essen gemeinsam mit ihnen zu Mittag, wobei man aufgrund einer bestimmten Regel, die besagt das man seinen Teller lehr essen muss, einige Kinder fast zwingen oder füttern muss, dass sie wirklich alles essen. Eine Sache die mir gar nicht gefällt. Anschließend wird gespielt, gebastelt, ein bestimmtes Thema besprochen und natürlich aufgeräumt.
Meine Kollegen sind alle sehr nett, ich verstehe mich super mit ihnen und sie waren positiv überrascht von meinen Sprachkenntnissen. Sie nehmen gut auf, dass ich Vegetarierin bin und interessieren sich für die Gründe.
Zurzeit arbeiten wir nur halbtags, weil wir noch täglich Sprachunterricht haben, aber das legt sich jetzt auch.

Wohnsituation
Ich wohne in einem süßen, kleinen Zimmer zusammen mit einigen Spinnen und Ameisen und ab und an auch mal einem Moskito. Daneben befindet sich ein Bad und auf der anderen Seite zwei weitere Zimmer. In einem davon wohnt Isabelle. Darüber hinaus habe ich vor meinem Zimmer eine kleine Terrasse, auf die immer die Sonne scheint (fast wie zu Hause) und kann jederzeit nach unten in die Küche gehen um etwas zu essen. Außerdem bin ich sehr froh über alles was ich mitgenommen habe, wie zum Beispiel meine Decke und mein Kissen, sodass ich mich noch wohler fühle und natürlich die Gastgeschenke über die sich schon einige gefreut haben.

Landschaft und Umgebung
Cochabamba ist – ähnlich wie Mannheim – in Quadrate aufgeteilt. Trotzdem hat es etwa vier Wochen gedauert, bis ich mich in dieser – für mich – riesigen Stadt zu Recht gefunden habe. Die vielen Parks haben es einem am Anfang nicht wirklich leichter gemacht den Weg zu finden. Ganz Cochabamba ist von den Anden umgeben, sodass, egal in welche Richtung man schaut, man Hügel und schneebedeckte Berge erblickt. Die Landschaft und einige Häuser sind wunderschön, doch leider mit vielen Kabeln versteckt. Alles ist sehr Bunt, aber leider auch sehr schmutzig und die Luft ist durch die vielen Abgase sehr verschmutzt.
Auf meinem Weg zur Arbeit erblicke ich auf der einen Seite der Straße ein Hackenkreuz in den Bürgersteig „eingraviert“ und auf der anderen Seite einen großen Stein mit der Aufschrift HITLER und ebenfalls einem Hackenkreuz. Wo das herkommt und was es da soll habe ich bisher noch nicht herausgefunden. Ansonsten ist mein gesamter Weg mit Verkaufsständen der „Cholitas“ gefüllt sodass es recht schwierig ist pünktlich zur Arbeit zu kommen, da durch die vielen Verkaufsstände nicht besonders viel Platz bleibt um die extrem langsam laufenden Bolivianer zu überholen, wodurch auch öfter mal Staus auf den Straßen entstehen weil die Fahrbahn als Fußgängerweg umfunktioniert wird und weil die Truffis (Taxis die eine bestimmte Route fahren) und Micros (Busse) auf zuwinken oder pfeifen überall anhalten.

Lebensart
Die Bolivianer feiern sehr gerne. Es vergeht keine Woche ohne einen Marsch, einen bestimmten Tag, wie Tag der Liebe, Schüler, Ärzte,… oder einen Geburtstag, wie den 200sten Jahrestag von Cochabamba. Die Märsche sind sehr bunt, laut und ungeordnet, werden allerdings sehr ernst genommen. Und die Straßen werden kurzerhand gesperrt, wo immer der Zug auch langspazieren möchte. Außerdem gibt es zurzeit viele Blockaden der Indigenen um für ihre Rechte zu kämpfen.
Mein lieblingstag war der Tag ohne Verkehr, der findet 1-3-mal im Jahr statt. Man konnte sofort den riesen Unterschied Luft wahrnehmen, die Vögel zwitschern hören und gefahrlos auf der Straße laufen. Das habe ich sehr genossen, denn sonst ist es doch sehr laut, chaotisch und die Luft sehr schmutzig.
Die Bolivianer sind sehr traditionsreich, essen viel und sind gastfreundlich. Allerdings nehmen sie von Europäern oder Ausländern allgemein gerne mal etwas mehr Geld, wenn nicht sogar das doppelte des normalen Preises.

Essen
Das Essen hier ist günstig und gut, es gibt vegetarische Restaurants, viele frische Säfte, auch europäisches Essen und Müsli dass sogar wirklich Müsli heißt und schmeckt wie von Omi selbst gemacht, ist auch fast das gleiche, außer das sie statt Honig Rohrzucker verwenden.

Preise
Frühstück bekommt man für etwa 0,80 – 1,20€ auswärts, ein gesamtes Mittagessen mit Salat und Suppe für 1,5 - 3€, eine SMS kostet 2 Cent, die Zutaten für ein Mittagessen mit viel frischem Gemüse, Reis und Nüssen kann man für etwa 3-4 € erwerben, Bus fahren kostet 17 Cent egal wohin, ein Taxi für die Strecke von etwa 15 km kostet um die 3€ und in ein Taxi in Bolivien passen auch mal 7-10 Leute, d.h. für jeden etwa 20-50 Cent und eine Pizza kostet 2-4 € je nach Größe. Natürlich ist das für die Bolivianer viel Geld, denn 40 Bolivianos (4€) sind für sie etwa soviel wie 40€ für uns und auch wir Freiwilligen können es uns nicht leisten stetig umzurechnen.