Die ersten Eindrücke
Flug und Ankunft
Während der Flüge habe ich glücklicherweise die meiste Zeit geschlafen und hatte – wider erwarten – keine Probleme mit meinen fehlenden Weisheitszähnen, welche mir 2 Wochen vor Abflug gezogen wurden. Mit acht Stunden Aufenthalt im Flughafen Buenos Aires war ich insgesamt 30 Stunden unterwegs.
Angekommen in Cochabamba, Bolivien begrüßten uns (die Freiwilligen 2011) insgesamt sieben Leute, darunter Franz unser Mentor und Ansprechpartner für ALLES, die ehemaligen Freiwilligen und zwei Bolivianische Freunde die auch ganz schnell zu den meinen wurden.
Ankunftszeit in Bolivien: etwa 20 Uhr. Nachdem wir uns etwas ausgeruht hatten wurden wir gleich in einen der vielen bolivianischen Bräuche eingeführt, denn unsere Ankunft befand sich zu einem der ersten Freitage im Monat und an diesen Freitagen wird Cocha Mama (Mutter Erde) geehrt, indem einige Dinge verbrannt werden und von allem Getrunkenen ein Teil auf den Boden geschüttet wird.
Am nächsten morgen gingen wir halbverhungert Frühstücken in einem Franchise Restaurant namens Globus, um unsere Mägen nicht gleich allzu sehr zu strapazieren. Unser Mittagessen bekamen wir nur wenige Zeit später im Haus von Franz, für mich extra Vegetarisch. Anschließend machten wir einen kurzen Ausflug zum Christo und zwar zu Fuß. Nach gefühlten eine millionen Stufen und sehr dünner Luft oben angekommen fühlt man sich richtig gut. Wir hatten außerdem Glück mit dem Wetter und dementsprechend eine tolle Aussicht. Zum Abendessen ging’s, nach einer Runde erholen in der Residenz, ins Casa Blanca, wo man sehr gutes (auch europäisches) Essen bekommen kann. Das war der erste Tag in Bolivien.
Menschen, Familie und Freunde
Ich wohne in einer Familie bestehend aus Mutter Zaida und ihrer Tochter Claudia (und natürlich einigen mehr, die beiden wohnen allerdings zu zweit in meinem Gasthaus). Beide kümmern sich super, sind sehr besorgt und wenn es mir schlecht geht kümmern sie sich sehr um mein Wohlbefinden. Seit beide verstanden haben was es heißt Vegetarier zu sein und dass ich nicht Garnichts esse kochen sie sogar (fast) täglich vegetarisch für mich, das heißt immer wenn ich zu Hause esse. Die ganze Familie ist sehr gläubig, jedoch besuchen alle unterschiedliche Kirchen. Das ist der Grund weshalb ich schon einige kennenlernen durfte.
Ich verstehe mich super mit Eva der weiteren SDFV – Freiwilligen. Zurzeit arbeiten wir zusammen im Projekt „Trabajadores“ und machen auch sonst gelegentlich etwas zusammen. Isabelle, meine Nachbarin mit Haitianischen Wurzeln, die aber in Frankreich lebt, ist ebenfalls super. Leider verlässt sie Bolivien schon Anfang Oktober.
Außerdem lernt man auch viele Reisende kennen: Australier, Schotten, Amerikaner, Briten, Holländer, Inder und Koreaner und kommt so zum Beispiel zu dem Genuss Koreanisch und indisch bekocht zu werden. Natürlich sind auch einige Bolivianer unter meinen neuen Freunden, die ich Dank der tollen Unterstützung der ehemaligen Freiwilligen kennenlernen durfte.
Die Bolivianer sind im Allgemeinen sehr nett und bemüht. Es gibt aber auch einige verschlossene, abweisende und uninteressierte. Außerdem habe ich schon drei Rassismus-Delikte erlebt. Einmal wurde ich von einem älteren Herrn angespuckt, ein anderes mal wollte ein Busfahrer nicht für mich halten und das dritte mal wurde ich in einer „Tienda“ (Tante Emma Laden, die es an jeder Ecke gibt) angesprochen ob ich Nordamerikanerin oder Europäerin sei, als ich antwortete dass ich Deutsche sei, hieß es: „ Die deutschen sind schrecklich und genauso schlimm wie die Nordamerikaner“.
Befinden
Das macht mir allerdings nichts aus. Ich fühle mich pudel wohl, habe alles was ich brauche, fühle mich verstanden, lerne schnell, bin positiv überrascht von den hierlebenden Vegetariern und etwas umweltbewussteren Menschen und dass es auch einige vegetarische Restaurants und Biolebensmittel Läden gibt. Ich hatte nur 2-mal Probleme mit dem essen und die Zahnärzte sind nicht die Besten.
Nichts desto trotz fühle ich mich von Tag zu Tag besser obwohl es mir hier niemals schlecht ging. Ich liebe es durch die Straßen zu laufen und das Leben hier zu beobachten und mit leben zu dürfen.
Arbeit
Meine Kollegen sind alle sehr nett, ich verstehe mich super mit ihnen und sie waren positiv überrascht von meinen Sprachkenntnissen. Sie nehmen gut auf, dass ich Vegetarierin bin und interessieren sich für die Gründe.
Zurzeit arbeiten wir nur halbtags, weil wir noch täglich Sprachunterricht haben, aber das legt sich jetzt auch.
Wohnsituation
Ich wohne in einem süßen, kleinen Zimmer zusammen mit einigen Spinnen und Ameisen und ab und an auch mal einem Moskito. Daneben befindet sich ein Bad und auf der anderen Seite zwei weitere Zimmer. In einem davon wohnt Isabelle. Darüber hinaus habe ich vor meinem Zimmer eine kleine Terrasse, auf die immer die Sonne scheint (fast wie zu Hause) und kann jederzeit nach unten in die Küche gehen um etwas zu essen. Außerdem bin ich sehr froh über alles was ich mitgenommen habe, wie zum Beispiel meine Decke und mein Kissen, sodass ich mich noch wohler fühle und natürlich die Gastgeschenke über die sich schon einige gefreut haben.
Landschaft und Umgebung
Cochabamba ist – ähnlich wie Mannheim – in Quadrate aufgeteilt. Trotzdem hat es etwa vier Wochen gedauert, bis ich mich in dieser – für mich – riesigen Stadt zu Recht gefunden habe. Die vielen Parks haben es einem am Anfang nicht wirklich leichter gemacht den Weg zu finden. Ganz Cochabamba ist von den Anden umgeben, sodass, egal in welche Richtung man schaut, man Hügel und schneebedeckte Berge erblickt. Die Landschaft und einige Häuser sind wunderschön, doch leider mit vielen Kabeln versteckt. Alles ist sehr Bunt, aber leider auch sehr schmutzig und die Luft ist durch die vielen Abgase sehr verschmutzt.
Auf meinem Weg zur Arbeit erblicke ich auf der einen Seite der Straße ein Hackenkreuz in den Bürgersteig „eingraviert“ und auf der anderen Seite einen großen Stein mit der Aufschrift HITLER und ebenfalls einem Hackenkreuz. Wo das herkommt und was es da soll habe ich bisher noch nicht herausgefunden. Ansonsten ist mein gesamter Weg mit Verkaufsständen der „Cholitas“ gefüllt sodass es recht schwierig ist pünktlich zur Arbeit zu kommen, da durch die vielen Verkaufsstände nicht besonders viel Platz bleibt um die extrem langsam laufenden Bolivianer zu überholen, wodurch auch öfter mal Staus auf den Straßen entstehen weil die Fahrbahn als Fußgängerweg umfunktioniert wird und weil die Truffis (Taxis die eine bestimmte Route fahren) und Micros (Busse) auf zuwinken oder pfeifen überall anhalten.
Lebensart
Mein lieblingstag war der Tag ohne Verkehr, der findet 1-3-mal im Jahr statt. Man konnte sofort den riesen Unterschied Luft wahrnehmen, die Vögel zwitschern hören und gefahrlos auf der Straße laufen. Das habe ich sehr genossen, denn sonst ist es doch sehr laut, chaotisch und die Luft sehr schmutzig.
Die Bolivianer sind sehr traditionsreich, essen viel und sind gastfreundlich. Allerdings nehmen sie von Europäern oder Ausländern allgemein gerne mal etwas mehr Geld, wenn nicht sogar das doppelte des normalen Preises.
Essen
Das Essen hier ist günstig und gut, es gibt vegetarische Restaurants, viele frische Säfte, auch europäisches Essen und Müsli dass sogar wirklich Müsli heißt und schmeckt wie von Omi selbst gemacht, ist auch fast das gleiche, außer das sie statt Honig Rohrzucker verwenden.
Preise
Frühstück bekommt man für etwa 0,80 – 1,20€ auswärts, ein gesamtes Mittagessen mit Salat und Suppe für 1,5 - 3€, eine SMS kostet 2 Cent, die Zutaten für ein Mittagessen mit viel frischem Gemüse, Reis und Nüssen kann man für etwa 3-4 € erwerben, Bus fahren kostet 17 Cent egal wohin, ein Taxi für die Strecke von etwa 15 km kostet um die 3€ und in ein Taxi in Bolivien passen auch mal 7-10 Leute, d.h. für jeden etwa 20-50 Cent und eine Pizza kostet 2-4 € je nach Größe. Natürlich ist das für die Bolivianer viel Geld, denn 40 Bolivianos (4€) sind für sie etwa soviel wie 40€ für uns und auch wir Freiwilligen können es uns nicht leisten stetig umzurechnen.